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Do. 2. September 2010 - 08:13 Uhr
«Hätte ich eine perfekte englische Aussprache, wäre ich James Bond geworden»

Mit seinen 70 Jahren kann Hausi Leutenegger auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Höhenflüge erlebte er als Unternehmer, als Sportler und auch im Filmbusiness. - mbMC

Tausendsassa Hausi Leutenegger: «Ich bin kein Held mehr, sondern mittlerweile ein richtiger Angsthase»
 
Tausendsassa Hausi Leutenegger: «Ich bin kein Held mehr, sondern mittlerweile ein richtiger Angsthase»

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Im Zusammenhang:
Mehrere Schicksalsschläge hätten dafür gesorgt, dass er die Bodenhaftung trotz grossem Reichtum und viel Glamour nie verloren habe. Mit dem LEADER spricht der gebürtige Thurgauer über verpasste Chancen, das perfekte Pensionsalter und eine Sache, die jeder Mann gemacht haben sollte.

Hans «Hausi» Leutenegger weilt gerade in Deutschland, als ihn die SMS mit der Interviewanfrage des LEADER erreicht. Er schreibt nicht zurück. Das tut er nie. Auch über eine E-Mail-Adresse verfügt der 70-Jährige nicht. Er gönnt sich gewissermassen den Luxus der Eigenbestimmung seines Lebens. Der Rückruf erfolgt dann aber trotzdem relativ schnell: Da Leutenegger nach der Einweihung der neuen Achterbahn im Conny-Land einen kurzen Abstecher nach Wil eingeplant hat, trifft man sich zum Mittagessen im «Schwanen». Reserviert hat er nicht. Ein Tisch mit bester Aussicht, etwas diskret in der Ecke, ist ihm dennoch sicher. Entdeckt wird er im Verlauf des Gesprächs aber auch so.

Hans Leutenegger, im Januar wurden Sie 70. Kürzlich erschien Ihre Biografie mit dem Titel «Ein bisschen Glück war auch dabei» ...
Ja, haben Sie sie gelesen?

Nein, noch nicht.
Hier, ich habe Ihnen ein Exemplar dabei. Die französische Ausgabe hat allerdings ein etwas schöneres Cover. Und bald kommt das Buch auch noch auf Italienisch heraus.

Was überrascht, ist der mit 200 Seiten doch relativ geringe Umfang.
Ja, ich weiss. Von meinem verrückten Leben könnte man 1'000 Seiten schreiben. Aber Bücher, die zu dick sind, interessieren kaum jemanden. Und mir war wichtig, dass es gelesen wird. In der Schweiz ist es ein Riesen-Renner. Wer es in die Hände bekommt, liest es in der Regel in zwei Tagen durch und empfiehlt es weiter.

Wie schwer war es, das Wichtigste aus dem eigenen Leben heraus zu filtern?
Natürlich war das nicht einfach. Ich durfte und musste in meinen 70 Jahren so viel erleben: Das kann man unmöglich alles erwähnen. Aber wer weiss, vielleicht gibt es dereinst noch ein zweites Buch. Geschichten dafür gäbe es genügend. Das Werk ist auch relativ schnell entstanden. Ich habe es in nur einem Monat schreiben lassen und dann jedes einzelne Wort kontrolliert. Das ist mir wichtig: Alles darin entspricht der Wahrheit. Alles spielte sich genauso ab. Auch von jenen Personen, denen ich mit gewissen Aussagen an den «Karren gefahren» bin, gab es keine einzige Reklamation.

Und wie fühlt sich das an, wenn man sein ganzes Leben zwischen zwei Buchdeckel gepresst bekommt?
Sie wollen wissen, wie es ist, wenn man das ganze Leben in ein Schaufenster stellt? Nun, über mich wurde schon so viel geschrieben, dass es langsam Zeit wurde, einmal meine eigene Sichtweise, die Wahrheit, aufzuführen und das Image vom «Cüpli-Trinker aus St.Moritz» zu relativieren. Ich wollte den Leuten aufzeigen, wie alles entstanden ist. Ich habe nur Bauschlosser gelernt und war ein mittelmässiger Schüler. Das Buch soll dem Leser Hoffnung geben, ihm klar machen, dass er es auch ohne Hochschulabschluss zu etwas bringen kann. Und scheinbar erzielte ich damit eine gewisse Wirkung: Erst kürzlich rief mich ein ehemaliger Schweizer Spitzensportler an, gratulierte mir zum Buch und meinte, dass er nun versuche, mittels meiner Ratschläge reich zu werden (lacht).

Damit könnten Sie doch eigentlich eine Vortragsreihe aufbauen.
Mit dem Titel «Der Weg nach oben» habe ich ja schon einige Vorträge gehalten. Heute will ich mein Leben aber mit Dingen verbringen, die mir vollends Freude bereiten. Solche Vorträge zu halten, ist mit Stress verbunden. Sie müssen genau wissen, vor welchen Leuten Sie reden, denn nicht allen passt meine Art. Ich erinnere mich gut an einen Vortrag vor 17 Jahren am Technikum in Winterthur. Ich habe grundsätzlich ein Elefantengedächtnis, habe jedes Wort intus. Damals aber wollte ich das Ganze etwas anders aufbauen und verlor plötzlich den Faden. Schon spürte ich erste verachtende Blicke aus dem Publikum. Da freuten sich wohl einige linke Lehrer und Studenten, dass hier der Playboy aus Genf ins Straucheln gerät. Nach einem Witz fand ich den Anschluss dann aber wieder und beendete den Vortrag. Verstehen Sie, was ich meine? Ich will heute nicht mehr nach Programm reden. Ich will die Zeit, die mir noch bleibt, nicht mit «Chabis» verbringen.

Sie leben heute in Grand Canaria, Freienbach und Genf. Und auch in Wil besitzen Sie noch eine Wohnung. Wo aber fühlen Sie sich zuhause?
Heimatgefühle kommen ganz klar im Welschland auf. Dort leben meine Kinder, und dort ist auch meine Frau beerdigt. Ich wohne dort an einem wunderschönen Fleckchen, direkt am See und nicht weit von Michael Schumacher entfernt.

Leuteneggers Handy klingelt. Auf Französisch erklärt er dem Anrufer, dass er gerade besetzt sei, jedoch noch heute die Rückreise nach Genf antreten werde.

Entschuldigen Sie. Das war ein Kollege aus meinem Veloklub in Genf.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Sie praktisch keine Fremdsprachen beherrschen. Das tönte nun aber anders.
Ich spreche wohl Englisch, Holländisch, Französisch und Spanisch, aber nichts davon perfekt. Hätte ich eine perfekte englische Aussprache, wäre ich James Bond geworden.

Bei Ihrem «Abstecher» ins Filmbusiness? Ich dachte, diese Karriere hätten Sie wegen der Familie und der Firma nicht mehr weiter verfolgt?
Ausschlaggebend war letztlich wohl alles zusammen. Ich musste in dieser Branche ja nicht den Weg von unten nach oben bewältigen, sondern spielte direkt in einem richtigen, grossen Film mit. Und nach dem Streifen «Kommando Leopard» 1985 hatte ich auch ein Angebot aus Hollywood auf dem Tisch. Ebenso stand ich damals auf der Liste der potenziellen Darsteller für die James-Bond-Filme. Aber dafür hätten dann meine sprachlichen Fähigkeiten definitiv nicht ausgereicht. Aber es war schon ein schönes Gefühl, als Kandidat gehandelt zu werden. Dann wurde es ja der andere.

Bereuen Sie es?
Hier geht es mir bedeutend besser als in den USA. Nachzutrauern gibt es da nichts. Mit 70 sowieso nicht mehr. Es waren lustige Zeiten, ich habe zusammen mit Ralph Möller, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger zu Abend gegessen, kannte Jean-Claude Van Damme und wie sie alle heissen. Sie alle sind jünger als ich und haben in der Branche Fuss gefasst. Ich habe mich anders entschieden und es nie bereut. Will man im Leben zu viel, wird immer ein Aspekt darunter leiden. Die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt das bestens. Wenn man – wie ich – mit 300 Franken nach Genf geht, eine Firma aufbaut und so ein Vermögen verdient, dass man der Familie ein wunderschönes Leben ermöglichen kann, dann muss man doch zufrieden sein. Ich hoffe, dass der Herrgott dereinst sagt, dass ich trotz einiger Fehler auch das eine oder andere richtig gemacht habe.

Sie sind ein religiöser Mensch, glauben, dass man für die begangenen Fehler irgendwann zur Rechenschaft gezogen wird. Haben Sie viele Fehler begangen?
Jeder Mensch, der Erfolg hat, macht Fehler. Ich meine, dass sich bei mir die Anzahl in Grenzen hält. Ich war früher halt schon ein Festbruder. In meiner Villa auf den Kanarischen Inseln haben wir damals über mehrere Tage hinweg gefeiert.

Wie bringt man als Arbeitstier die Zeit dafür auf?
Ich war ja eigentlich nur bis 40 ein «Chrampfer». Anschliessend delegierte ich die Aufgaben und schenkte den Leuten aus meinem Umfeld Vertrauen. So hatte ich Zeit, um die Welt zu fliegen, Filme zu drehen und die schönsten Frauen kennenzulernen. Das war auch etwas wert.

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Viele Gaben habe ich nicht. Aber ich bin ein guter Organisator und ein guter Menschenkenner. Ich weiss, wem ich was anvertrauen kann. Meine Führung war stets korrekt und respektvoll. Machte jemand einen Fehler, trug ich ihm das nicht nach. Beim zweiten war dann aber Schluss. Ich bin froh, dass ich für die Firma mit Urs Vögele-Freund einen CEO gefunden habe, der weiterhin den Tarif durchgibt.

Allzu nette Leute bringen es in der Wirtschaft zu nichts?
Nein.

Das Gespräch wird von der Serviertochter unterbrochen, die Hausi Leutenegger einen Feuerwerkskörper entgegenstreckt. Ein Präsent, einer ihm bekannten Dame, die das Restaurant gerade verlassen habe, erklärt sie. Leutenegger scheint ob solcher Gesten nicht überrascht. Wo er hinkommt, kennt man ihn, spricht ihn an oder zeigt ihm – wie in diesem Fall – die Wertschätzung aus der Entfernung.

In Ihrer Firma sind Sie als Verwaltungsratspräsident tätig. Wie lange bleiben Sie noch an der Front?
Nicht mehr lange. Aus dem operativen Bereich habe ich mich bereits vor 15 Jahren zurückgezogen. Und nun ist dann auch auf der strategischen Ebene ein Wechsel angesagt. Klar können sie auch in Zukunft noch auf mich zukommen, wenn es Probleme gibt. Aber ich bin froh, dass nun die Jungen das Steuer übernommen haben. Wir alten «Chläuse» können im Internetzeitalter doch gar nicht mehr mithalten.

Trauern Sie den alten Zeiten manchmal nach, vielleicht auch den «alten» Helden und Anti-Helden wie Klaus Kinski und Lee Van Cleef, mit denen Sie zusammengearbeitet haben?
Den alten Zeiten nicht, den Kollegen aber schon. Kinski hat mir viel über die Schauspielerei beigebracht. Ich war einer der Menschen, die es gut mit ihm konnten. Und im Zusammenhang mit Lee Van Cleef erinnere ich mich gerne an ein Billardspiel, an dem mich seine Frau – eine Deutsche – zur Seite genommen hat und mich bat, etwas auf «ihren» Lee aufzupassen. Er trinke ihr zu viel. Lee entgegnete, dass wir nur Mineralwasser und ein Bierchen konsumieren würden. Unter dem Tisch stand aber eine Flasche Whiskey (lacht). Er war schon ein verrückter Cowboy, ein Haudegen der alten Schule. Solche Typen gibt es heute kaum noch.

Schauen Sie sich Ihre eigenen Filme heute noch an?
Ja, ab und zu.

Und was ist mit neuen Filmen?
Praktisch nicht, nein.

Auch eine Verfilmung Ihres eigenen Lebens ist geplant.
Das Projekt liegt derzeit auf Eis, weil ich etwas Ruhe nach dem eher hektischen 2009 benötige. Nächstes Jahr schauen wir dann diesbezüglich wieder weiter. Wobei ich mir mit der Produktionsfirma noch nicht ganz einig über die Besetzung bin. Ich hätte gerne Stefan Gubser in der Hauptrolle, ein guter Freund von mir und ein grossartiger Schauspieler. Die Produzenten finden ihn allerdings zu schön, um mich zu spielen. Sie möchten gerne den Deutschen Heinz Hoenig.

Sind Sie eigentlich politisch?
Ich bin ein SVP-Anhänger. Aber mit Christoph Blocher bin ich nicht mehr einverstanden.

Wieso?
Er ist ungefähr im gleichen Alter wie ich und hat immer noch das Gefühl, mitmischen zu müssen. Das macht die Jungen doch nur wütend. In der Politik wie auch in der Wirtschaft sollen die Alten Platz für Neues machen. In der Wirtschaft sollte sowieso jeder mit 60 in Pension gehen müssen.

Mit 60?
Ja. Jede Minute, die man anschliessend noch in einem Büro verbringt, ist verlorene Zeit. Das Leben geht so schnell vorbei.

Haben Sie persönlich mit 60 Jahren Bilanz gezogen?
Das habe ich bereits mit 50 gemacht. Zu jenem Zeitpunkt war ich dick im Filmgeschäft, und meine Firma lief hervorragend. Ich konnte also sehr gut einen Schnitt machen und mich auf die Zukunft konzentrieren. Und weil ich es immer verstand, den richtigen Leuten mein Vertrauen zu schenken, lief das dann auch weiterhin wie am Schnürchen. Meine Menschenkenntnis hat mir immer wieder geholfen; ich hätte einen guten Psychiater abgegeben. Ich weiss jeweils sofort, was die Leute von mir denken. Das gilt auch für Journalisten, die mich kontaktieren.

Was habe ich von Ihnen gedacht?
Sie waren gespannt auf mich.

Das dürften die meisten sein, die mit Ihnen zu tun haben.
Wohl, weil ich ein Volksfreund bin. Aber ich gehe heute mehr auf Distanz als früher. Da gab es Zeiten, wo ich immer zehn bis 20 Leute um mich herum hatte. Das brauche ich heute nicht mehr. Einen Kaffee zahle ich noch jedem, aber ich muss nicht mehr in die Massen hinein. Ich bin gerne alleine.

Und auch ab und zu einsam?
Nein. Wenn ich jemanden um mich herum haben möchte, dann ist das kein Problem. Aber ich schätze es, viel zu lesen oder die Tiere am Genfersee zu beobachten. Ich bin überhaupt ein grosser Freund der Natur. Ich hatte dereinst die Chance, in der Nähe von Bichelsee einen Bauernhof zu kaufen. Dass ich das nicht getan habe, reut mich noch heute.

Den Bauernhof würden Sie St.Moritz vorziehen?
Selbstverständlich. Viele denken, weil ich Geld habe, sei ich ein verwöhnter Mensch. Das stimmt aber eben genau nicht. Ich bin einfacher, als man denkt. Sie dürfen mich nicht nur nach den Zeitungsartikeln einschätzen.

Die von einem Vermögen von rund 200 Millionen schreiben ...
Auch das stimmt nicht. Das ist ja heute alleine meine Firma wert ... Aber ich rede nicht über Geld. Geld gebe ich.

Und wieder hat ein Anwesender den prominenten Gast erkannt. Händeschütteln, ein kurzer Smalltalk, und dann folgt auch schon wieder der Rückzug.

Der Herr wurde wie ich in Wil zum Hofnarren gekürt. Eigentlich das höchste Amt der Äbtestadt und eine grosse Ehre.

Welchen Bezug haben Sie heute noch zu Wil?
Ich habe hier noch immer eine Wohnung, und man kennt mich hier. Ausserdem verwaltet die Raiffeisenbank Bichelsee auch nach 45 Jahren noch sämtliche Geschäfte meiner Firma. Die ganze Zeit über hatte ich immer ein wunderbares Verhältnis mit diesen Leuten, ich habe mit ihnen nie einen Fünfer verloren. Mir passierte das nie, dass ich Probleme mit meiner Bank hatte. Auch von der Wirtschaftskrise blieb ich verschont. Wenn man, wie ich, einfach auf die Welt kommt und das dann auch bleibt, dann passiert es einem nicht, dass man in einen solchen Sumpf hinein gerät. Ich habe Leute beobachtet, die mehr sein wollten, als sie eigentlich sind. Genau dann geht der Schuss jeweils nach hinten los.

Gerade Prominente dürften sich da aber auch gegenseitig hochschaukeln?
Ja natürlich hat es viele Spinner dabei. Das ist ein einziges Techtelmechtel. Jeder lobt den anderen, weil man weiss, dass man sich dereinst wieder zu Gesicht bekommt.

Aber einige Aspekte davon dürften Ihnen auch gefallen haben?
Mit gewissen Leuten hat man sich natürlich auch angefreundet. Jürg Marquard war lange Zeit ein guter Kollege von mir. Heute weniger. Am liebsten bewegte ich mich sowieso in Sportlerkreisen. Und klar: Das alles hatte auch seinen Reiz. Da kam es schon mal vor, dass ich abends im Hotelzimmer lag und mir dachte, dass ich es schon ganz schön weit gebracht habe. Aber sobald Gefahr bestand, abzuheben, kam auch immer wieder ein Hammer von oben.

Inwiefern?
Schicksalsschläge, die einem zeigen, wo man tatsächlich steht, was tatsächlich wichtig im Leben ist. So ist beispielsweise meine Schwester von rund zehn Jahren sehr jung verstorben. Vor vier Jahren verstarben innerhalb von sechs Monaten meine Frau, mein Bruder sowie zwei gute Freunde. Und meine Tochter lag nach einem Reitunfall zwei Wochen im Koma. Meine Familie ist mir immer enorm wichtig gewesen. Ich war wohl viel auf Reisen, habe aber trotzdem immer viel Zeit mit meinen Kindern verbracht.

Gibt es auch etwas, das Sie im Leben verpasst haben?
Die einfachen Sachen im Leben habe ich verpasst. Bei den grossen war ich immer ganz vorne dabei. Aber ich kann beispielsweise weder Klavierspielen noch Jassen. Und auch für die Pflege gewisser Kontakte fehlte mir die Zeit. Ein langjähriger Velokollege von mir zügelte vor einigen Jahren in die Nähe von Genf. Wir redeten immer davon, uns dereinst endlich einmal zu besuchen. Ich musste das leider immer wieder aufschieben. Bis eines Tages die Todesanzeige kam. Er starb mit 64 an einer Lungenentzündung.

Sie trauern den verpassten Gelegenheiten nach?
Gewissen Dingen schon. Ich hatte in meinem verrückten Leben einfach keine Zeit dafür. Und je älter ich werde, desto mehr geht verloren. Viele meiner guten Kollegen sind bereits verstorben.

Sie sind aber immer noch topfit?
Absolut. Dabei hatte ich im Sport auch einige Unfälle zu verkraften. Weil ich aber immer Velo gefahren bin, habe ich heute kaum Beschwerden.

Und Sie rauchen noch immer Zigarren?
Zwei Cohiba pro Tag. Das gibt es kein Pardon. Seit der Sendung «Leichter leben» im vergangenen Jahr habe ich den Konsum auf zwei reduziert.

Bei der Sendung ging es ums Abnehmen. Wie viele Kilos haben Sie verloren?
Vier. Aber die habe ich mir mittlerweile alle wieder angegessen (lacht). Derzeit wird über eine neue Sendung mit mir diskutiert. Darin soll es um Erfahrungen gehen, die ein Mann in seinem Leben gemacht haben sollte. Noch habe ich aber nicht zugesagt.

Was sollte denn ein Mann gemacht haben?
Er sollte sicher Copacabana besucht haben.

Und Fallschirmspringen?
Auch das habe ich schon erlebt, würde es heute aber nicht mehr tun. Ich bin kein Held mehr, sondern mittlerweile ein richtiger Angsthase.




Zur Person
Seine Karriere könnte eigentlich mehrere Leben ausfüllen. Hans «Hausi» Leutenegger, geboren 1940 im thurgauischen Bichelsee, absolvierte ursprünglich eine Lehre als Bauschlosser. Diese Funktion steht noch heute in seinem Pass, was er gerne als Beispiel für seine Bodenhaftung aufführt. Denn genügend exotischere Bezeichnung hätte er durchaus in der Hinterhand. Da wäre einmal jene des Spitzensportlers: Er fing als eidgenössischer National-Kranzturner an und erreicht den Höhepunkt 1972 mit dem Olympiasieg im Viererbob in Sapporo. Der Sport ist noch heute ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens. Leutenegger fühlt sich auf der Skipiste genauso zu Hause wie auf dem Golfplatz oder dem Velosattel. Den Tag beginnt er mit einer halben Stunde Gymnastik. Diese Fitness habe ihn auch in der Unternehmerwelt so erfolgreich gemacht, ist er überzeugt. Bereits im Jahre 1965 gründete Hans Leutenegger eine gleichnamige Einzelfirma als Montagebetrieb in Genf, der sich zunächst auf Umbauten, Maschinenrevisionen und Montagen von Neuanlagen spezialisierte. 1972 wurde die Unternehmung in die heutige Hans Leutenegger SA umgewandelt; der Hauptsitz Genf blieb bestehen, die Aktien befinden sich bis heute zu 100 % in Familienbesitz.

Die Vermietung von festangestellten Monteuren an Drittfirmen stellte sich sehr rasch als eigentliche Marktlücke heraus und ermunterte den Firmengründer zur Eröffnung eines schweizweiten Filialnetzes, das heute zehn Filialen in der Schweiz und eine Niederlassung in Deutschland (Tochtergesellschaft) umfasst. Die mit der Zeit ändernden Rahmenbedingungen − u. a. die Einführung des Arbeitsvermittlungsgesetzes (1991/92) − bedingten eine laufende Modernisierung und Anpassung des Firmenmodells, insbesondere auch im administrativen Bereich. Heute präsentiert sich die Hans Leutenegger AG als einer der führenden Personaldienstleister in Industrie, Chemie, Bau und Technik und beschäftigt rund 1'000 Mitarbeiter im Einsatz sowie rund 50 in der Administration. Hans Leutenegger hat sich vor 15 Jahren aus dem operativen Bereich zurückgezogen und fungiert noch als Präsident des Verwaltungsrates, in welchem auch sein Sohn Jean-Claude Leutenegger, Franco G. Bianchi und Roger Pfirter sind. Die Geschäftsleitung setzt sich aus Urs Vögele-Freund, Jean-Claude Leutenegger und Michael Bans zusammen.

Ab 1985 beschäftigte sich Leutenegger auch als Schauspieler. Er spielte in rund 38 Produktionen mit, darunter 1985 an der Seite von Lewis Collins, Manfred Lehmann und Klaus Kinski in «Kommando Leopard». 1988 drehte er mit Collins und Lehmann «Der Commander». Zudem war er in mehreren «Tatort»-Folgen und einer Folge der Serie «Eurocops» zu sehen. Wegen seiner Ähnlichkeit mit Burt Reynolds wurde Hans Leutenegger auch als «Burt Reynolds der Alpen» bezeichnet.

 
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