Die abnehmende Dynamik in der Weltwirtschaft, die Schuldenkrise und der immer noch starke Franken bremsen die Ostschweizer Wirtschaft immer stärker – allen voran die Industrie, aber nicht nur. Sowohl der Tourismus als auch der Detailhandel leiden unter dem starken Franken. Im Baugewerbe sind die Aussichten zwar weiterhin gut, für die Wintermonate zeichnet sich aber eine Verschnaufpause ab. - mcMC
Ostschweizer Konjunkturindex Januar 2008 bis November 2011 (Quelle: ecopol ag)
Gemäss OECD befindet sich die Eurozone zum Jahresende in einer milden Rezession. Auch 2012 wird die Wirtschaft in den 17 Euro-Staaten nur geringfügig wachsen, selbst wenn es den Regierungen gelingen sollte, die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Sogar in der europäischen Konjunkturlokomotive Deutschland hat sich das Geschäftsklima auf das Jahresende hin eingetrübt. In den USA deuten die jüngsten Signale vom privaten Konsum und vom Arbeitsmarkt darauf hin, dass die US-Wirtschaft wieder an Schwung gewinnt. Die Wachstumsaussichten für 2012 fallen deutlich besser aus als in Europa. In den Schwellenländern dürften sich auch 2012 die Wachstumsraten im hohen einstelligen Bereich fortsetzen. Allen voran die Turbulenzen in Europa, unserem mit Abstand wichtigsten Handelspartner, haben einen stark negativen Einfluss auf die Ostschweizer Wirtschaft. Nach den deutlichen Einbrüchen in den letzten drei Monaten setzt der Ostschweizer Konjunkturindex daher seine Talfahrt auch im November fort. Erstmals seit zwei Jahren ist der Konjunkturindex wieder im negativen Bereich angekommen. Das Wachstum der Ostschweizer Wirtschaft dürfte daher in den kommenden Monaten zum Erliegen kommen und einzelne Quartale mit rückläufiger Wirtschaftsleistung sind wahrscheinlich.
Industrie und Detailhandel kämpfen
Die Güterexporte der Industrie sind von Januar bis Oktober um 1.3 Prozent gewachsen. Drei von zwölf Exportbranchen sorgten für das moderate Plus. Hauptverantwortlich sind aber die Ausfuhren von Industriemaschinen mit einem satten Zuwachs von 15 Prozent. Die Produktionskapazitäten in der Ostschweizer Industrie sind nach wie vor passabel ausgelastet, aber der Auftragseingang harzt und die Ertragslage ist angespannt. Die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich weiter verschlechtert. Auch der Ostschweizer Detailhandel befindet sich stark unter Druck und die Erwartungen der Detailhändler für das Weihnachtsgeschäft und für die kommenden Monate fallen vorsichtig aus: Stagnierende Umsätze, Preisdruck und angespannte Ertragslage werden für die Geschäftsentwicklung prägend sein.
Schwache Sommersaison
In der Sommersaison (Mai bis Oktober) hat die Zahl der Logiernächte in der Ostschweiz rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr abgenommen. Am stärksten betroffen war der Kanton St.Gallen, wo während der Sommermonate 38‘000 Logiernächte weniger registriert wurden als noch 2010. Vor allem Deutsche Gäste sind aufgrund des starken Frankens den Ostschweizer Feriendestinationen ferngeblieben. Aber auch generell war die Nachfrage aus Europa stark rückläufig und konnte nur teilweise durch zusätzliche Gäste aus Russland und China kompensiert werden. Die Aussichten für die bevorstehende Wintersaison sind sehr verhalten. Der unvorteilhafte Wechselkurs, die schlechte Platzierung der Weihnachtstage und der späte Wintereinbruch drohen den Saisonstart zu vermiesen.
Aussichten der Bauwirtschaft bleiben gut
Die Ostschweizer Bauwirtschaft läuft nach wie vor auf Hochtouren. Wachstumstreiber innerhalb der Bauwirtschaft sind der Tiefbau und der Wohnungsbau. Gesamtschweizerisch konnte im 3. Quartal eine deutliche Zunahme der neu erstellten Wohnungen (+ 13 Prozent gegenüber Vorjahrsquartal) verzeichnet werden. Der Wirtschaftsbau hingegen entwickelt sich aufgrund der eingetrübten Wachstumsaussichten für die Volkswirtschaft weiterhin schwach. Auch wenn aus saisonalen Gründen die Bautätigkeit in den Wintermonaten rückläufig sein wird, bleiben die mittelfristigen Aussichten intakt. Der hohe Auftragsbestand lässt weiterhin kräftige Umsätze erwarten. Auch die Zahl der baubewilligten Wohnungen hat im 3. Quartal 2011 zugenommen, was für die kommenden Quartale ein gutes Zeichen ist.
Die Internet-Plattform www.konjunkturumfrage.ch informiert mit Texten und Abbildungen über die Konjunkturentwicklung in den Kantonen St.Gallen und beiden Appenzell. Abrufbar sind monatlich aktualisierte Konjunkturindikatoren für die bedeutendsten Industriebranchen, die Bauwirtschaft, den Detailhandel, den Export und den Arbeitsmarkt. Träger der Plattform sind die St.Galler Kantonalbank und das Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen.
Gegen den Willen des Bundesrates hat der National- und Ständerat beschlossen, dass die Buchpreisbindung nur vier Jahre nach deren Abschaffung wieder eingeführt werden soll.... »weiter
Die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell lehnt die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» der Gewerkschaft Travail.Suisse vehement ab. Über die Vorlage... »weiter
Im 2012 blickt St.Gallen in Gedenken an Gallus auf eine 1400-jährige Geschichte zurück. In fünf öffentlichen Vorlesungen mit dem Titel «Der heilige Gallus und seine Zeit. Zum... »weiter
Viele Unternehmen setzen sich klare Wachstumsziele. Gleichzeitig übertrifft jedoch in den meisten Branchen das Angebot die Nachfrage und führt zwangsläufig zu gesättigten... »weiter
Im neuen «Entrepreneurship Campus» der Universität St.Gallen (HSG) werden die Kräfte an der Uni gebündelt, die sich intensiv mit den vielfältigen Aspekten von... »weiter