Ostschweizer Konjunkturindex verharrt auf tiefem Niveau
Neben dem starken Franken brachte in den letzten Monaten des Jahres 2011 die Wachstumsverlangsamung in der EU und in Asien den Ostschweizer Industriemotor zum Stottern. Der Detailhandel blickt auf eines der schlechtesten Jahre seit langem zurück. Nur die Ostschweizer Bauwirtschaft konnte sich dem Abwärtssog entziehen. - mcMC
Ostschweizer Konjunkturindex Januar 2008 bis Dezember 2011 (Quelle: ecopol ag)
Der Ostschweizer Konjunkturindex hat sich im Dezember leicht verbessert und weist zum Jahresende eine rote Null aus. Dies deutet darauf hin, dass die Konjunktur in den ersten Monaten des neuen Jahres stagnieren wird. Die insgesamt eher düsteren Aussichten für die Weltwirtschaft und die anhaltend hohen Unsicherheiten für Investoren und Konsumenten sind dafür hauptverantwortlich. Einzig in den USA scheint sich die Konjunktur etwas besser zu entwickeln, als noch im Herbst zu erwarten war.
Grosse Verunsicherung
Die Immobilienkrise 2008 in den USA, die Finanzkrise und die nachfolgende Schulden- und Eurokrise haben eine weitgehende Verunsicherung aufkommen lassen, die Hand in Hand mit einem Vertrauensverlust einhergeht. So befindet sich Europa trotz 16 Krisengipfel der EU-Regierungen innert 20 Monaten noch immer in der Phase der Rettung. Eine glaubwürdige Lösung lässt auf sich warten, und selbst ein Auseinanderbrechen des Eurosystems kann nicht mehr ausgeschlossen werden. In den USA blockieren sich die politischen Parteien gegenseitig, währenddem die Staatsverschuldung munter weiter wächst. Diese Verunsicherung hat auch die asiatischen Länder ergriffen, die aufgrund ihrer Integration in die Weltwirtschaft sensibel auf Veränderungen des Welthandels reagieren.
Industriemotor stottert
Kein Wunder, dass unter diesen Rahmenbedingungen auch die Ostschweizer Industrie leidet, zumal sie zusätzlich mit dem starken Franken zu kämpfen hat. Die Spuren des Kampfes zeigen sich zum Ende des Jahres 2011 in einem Rückgang des Bestellungseinganges und des Auftragsbestandes. Insgesamt hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Vormonat aber nicht weiter verschlechtert. Nach Branchen betrachtet wurden bisher vor allem die Textil-, die Papier- und Druckindustrie sowie die Elektrotechnik von der konjunkturellen Abkühlung erfasst. Relativ erfolgreich behauptet sich die Ostschweizer Maschinenindustrie – auch im Vergleich mit anderen Schweizer Regionen. Der Blick auf den Start ins neue Jahr verspricht wenig Erfreuliches. Für die nahe Zukunft gehen die Industriebetriebe von einer stagnierenden Produktion und einem weiteren Rückgang des Bestellungseinganges aus.
Standhafte Maschinenexporte
Trotz den widrigen Umständen verzeichneten die Exporte im November einen Anstieg, wie schon in den beiden Vormonaten. Dieses Ergebnis ist umso erfreulicher, als das Umsatzplus trotz sinkenden Preisen zustande kam. Im letzten Jahr verringerten sich nämlich die Preise der exportierten Güter aus der Schweiz um rund 7 Prozent. Massgebend für das Umsatzwachstum ist die steigende Nachfrage nach Ostschweizer Maschinen – der wichtigsten Exportbranche der Ostschweiz. Ihr Anteil am Total aller Ausfuhren entspricht rund einem Viertel.
Detailhandel im Tief
2011 war für die Detailhandelsbranche eines der schwierigsten Jahre seit langem. Der starke Franken verlieh dem Einkaufstourismus Flügel und im Sog der Schuldenkrise sowie der zunehmend ungünstigeren Wirtschaftsausichten sank die Konsumentenstimmung. Diese Mixtur, angereichert mit massiven Preissenkungen, drückte auf den Umsatz, der deutlich unter dem des Vorjahres zu liegen kam. Das Weihnachtsgeschäft übertraf zwar die tiefen Erwartungen, konnte aber das schlechte Jahresergebnis nicht abwenden.
Bauwirtschaft in Form
Der Ostschweizer Bauwirtschaft geht es nach wie vor sehr gut, auch wenn die Bautätigkeit in den letzten drei Monaten auf hohem Niveau stagnierte. Zum Jahresende sind die Baumeister mit der Geschäftslage und dem Auftragsbestand sehr zufrieden. Ein Vergleich der aktuellen Konjunkturindikatoren mit dem Stand vor einem Jahr, macht insbesondere Unterschiede im Ausblick sichtbar. Erwarteten die Baufirmen vor Jahresfrist noch eine steigende Nachfrage und Neueinstellungen, rechnen sie für die ersten drei Monate des Jahres 2012 mit einer moderat rückläufigen Bautätigkeit und einem leichten Stellenabbau.
Peter Eisenhut, Januar 2012
Weitere Informationen finden Sie unter: www.konjunkturumfrage.ch
Die Internet-Plattform www.konjunkturumfrage.ch informiert mit Texten und Abbildungen über die Konjunkturentwicklung in den Kantonen St.Gallen und beiden Appenzell. Abrufbar sind monatlich aktualisierte Konjunkturindikatoren für die bedeutendsten Industriebranchen, die Bauwirtschaft, den Detailhandel, den Export und den Arbeitsmarkt. Träger der Plattform sind die St.Galler Kantonalbank und das Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen.
Gegen den Willen des Bundesrates hat der National- und Ständerat beschlossen, dass die Buchpreisbindung nur vier Jahre nach deren Abschaffung wieder eingeführt werden soll.... »weiter
Die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell lehnt die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» der Gewerkschaft Travail.Suisse vehement ab. Über die Vorlage... »weiter
Im 2012 blickt St.Gallen in Gedenken an Gallus auf eine 1400-jährige Geschichte zurück. In fünf öffentlichen Vorlesungen mit dem Titel «Der heilige Gallus und seine Zeit. Zum... »weiter
Viele Unternehmen setzen sich klare Wachstumsziele. Gleichzeitig übertrifft jedoch in den meisten Branchen das Angebot die Nachfrage und führt zwangsläufig zu gesättigten... »weiter
Im neuen «Entrepreneurship Campus» der Universität St.Gallen (HSG) werden die Kräfte an der Uni gebündelt, die sich intensiv mit den vielfältigen Aspekten von... »weiter