Es sind Geschichten, auf die sich die Medien gerne stürzen: Hans-Paul Schermer, wortgewandter Erzähler und gewiefter Geschäftsmann, vermittelt in seinem Institut Lord millionenschwere Singles aus über 60 Ländern der Welt und macht damit ein Vermögen. - mbMC
Hans-Paul Schermer: «Erfolgreiche Männer sind sexy.»
Damit war und ist der Wahl-Grabser ein gern gesehener Gast sowohl in der Schweizer Presse wie auch bei deutschen Privatsendern – auch wenn er aus gesundheitlichen Gründen inzwischen etwas kürzertritt. Der LEADER zu Besuch in etwas «anderen Kreisen».
Die Dame ist 34-jährig, blond, gut aussehend, arbeitet als Model und wohnt in Berlin. In einem Interview mit einem deutschen Fernsehsender gesteht die Jetsetterin, dass ihr zum vollumfänglichen Glück eigentlich nur noch die grosse Liebe fehle. Irgendeinen Mann möchte sie aber nicht. «Es schauen mir wohl sehr viele nach, aber die meisten entsprechen nicht meinem Niveau», gibt sie offen zu. Der künftige Partner müsse «verdammt viel» mitbringen, ihr etwas bieten können und erfolgreich sein. Denn: «Erfolgreiche Männer sind sexy.»
Da kann eigentlich nur noch einer zur Hilfe eilen: Hans-Paul Schermer. Mehrere Hundert Personen – sowohl Frauen als auch Männer – befinden sich in seiner Kartei. Und eines haben die Damen und Herren alle gemeinsam: Sie sind beruflich erfolgreich – oder gehören zumindest zum «gehobenen Kreis der Bevölkerung» – und sie sind wählerisch. Als Heiratsvermittler für die bessere Gesellschaft – was immer das auch bedeuten mag – sucht Schermer in seinen «Kärtchen» nach dem passenden Deckel für den Topf. Kostenpunkt des Vermittlungsservices: mehrere Tausend Franken. Das trennt schon einmal die Spreu vom Weizen. Gutbetuchte Klienten lassen da schon mal bis zu 25'000 Franken springen. Bei der Crème de la Crème sind eben auch Amors Pfeile vergoldet.
Prinzessin auf «Schatzsuche»
Und Schermers Geschäft boomt. Denn schliesslich dürfte sich kaum ein Hochadeliger oder Filmschauspieler dazu entschliessen, den passenden Partner via Zeitungsinserat zu suchen. Nein, sie wählen den Weg über das Suchnetz von «Lord» und vertrauen auf den Spürsinn des Rheintalers. Einer der neuesten Fänge ist Prinzessin Victoria, deren königliche Familie mit dem englischen und belgischen Königshaus verwandt ist und ein 400 Jahre altes Schloss in Deutschland besitzt. Klar, dass sie nicht in erster Linie nach einem Mechaniker oder Gärtner sucht. Klar auch, dass RTL auf die Geschichte aufspringt. Und ebenfalls klar, dass Schermer alles daran setzt, der Frau den passenden Bräutigam zu suchen…
Das macht alle glücklich und bringt Publicity. Diese hat Schermer indes gar nicht mehr so nötig: Die Mund-zu-Mund-Propaganda in den «Champagner»-Kreisen genügt als Werbung. Und sowieso: Der Geschäftsmann geht es heute – nach einem gesundheitlichen Rückschlag in der Vergangenheit – deutlich ruhiger an. Kann er auch, denn beweisen muss er niemandem mehr etwas. In seinem Leben hat er alles erreicht, was er sich gewünscht hatte. Ganz nach seinem Motto «Ich bin selber Meister meiner Wünsche und Ideen» kehrte er seinem ursprünglich gelernten Beruf den Rücken zu. Und gelernt hat Schermer – man glaubt es kaum – Metzger.
Mit 41 den ersten Rolls
Während der Arbeit hinter der Fleischertheke kam ihm die Idee, branchenspezifisch nach Liebespartnern zu suchen. Also: Metzger sucht Metzgerin oder Bäcker sucht Bäckerin. Die Vision wurde zur Realität und zur neuen Einnahmequelle. Der Schritt bis zum «Millionär sucht Millionärin» war nur noch eine Frage der Zeit. «Ich musste damals selber lachen, als mir der Gedanke kam, Vermögende zu vermitteln», so Schermer. «Aber sie sehen ja, dass es funktioniert hat.» Das sieht man tatsächlich. Der 58-Jährige wohnt mit seiner Frau Ursula wohl in einer Doppelhaushälfte in Grabs, die man nicht als protzig bezeichnen kann, fährt aber neben einer Limousine im Hochpreissegment unter anderem auch noch ein Wohnmobil im Wert eines halben Einfamilienhauses. Seine eigene Erfolgsgeschichte heisst demnach: «Vom Metzgermeister zum Millionär.» Mit 31 noch Metzger, Bodybuilder (ja, auch das) und Verkuppler unter seinesgleichen. Mit 41 den ersten Rolls.
«Wo die Liebe hinfällt»
Hans-Paul Schermer bewegt sich in der Welt der High Society, kennt alle seine Kunden persönlich und garantiert absolute Diskretion. Dies sei sein Erfolgsrezept. Und daraus sind laut Medienberichten schon rund 200 Ehen entstanden. Und erlebt hat er in den über 20 Jahren als Vermittler schon einiges, vom Gattenmord bis zur «ehemaligen» Nonne. «Wenn jemand nicht vermittelbar ist, sage ich das gleich», so Schermer. Es habe keinen Sinn Luftschlösser zu bauen. «Ich kann beispielsweise keinen Hartz-IV-Empfänger an eine Unternehmerfrau vermittlen, die 100 Angestellte leitet. Das würde nicht funktionieren.»
Der Spruch «Wo die Liebe hinfällt» hat demnach keine Gültigkeit? Der «Amor der Reichen» dazu: «Ich habe es zumindest in diesen Dimensionen noch nie erlebt. Die Frauen wissen schon, was sie wollen. Und entsprechend muss Mann auch etwas bringen.»
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