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Alte Strukturen weiter zementiert

Der Dachverband «Revier Jagd St.Gallen» will in seinem Einzugsgebiet eine möglichst grosse Artenvielfalt in einer möglichst naturnahen Kulturlandschaft fördern. Vor diesem Hintergrund wird die Absicht des Kantons, eine Biodiversitätsstrategie zu verabschieden, ausdrücklich begrüsst. Der vorliegende Entwurf der Regierung vermag aber in vielen Punkten nicht zu genügen. Die St.Galler Jäger fordern deshalb eine grundsätzliche Überarbeitung.

Die Kantonsregierung hält in ihrem Vernehmlassungsentwurf fest, dass „der Zustand der Lebensräume zeigt, dass die bisherigen Bemühungen nicht reichen. Der Qualitätsverlust konnte in allen Lebensräumen – mit Ausnahme weiter Teile des Waldes – nicht gestoppt werden.“ Angesichts dieser Feststellung ist RJSG erstaunt, dass die Instrumente und Massnahmen weitestgehend auf Bisherigem basieren und wenig Neues und Innovatives zum Einsatz kommen soll. Dies trifft insbesondere auf den Einsatz der finanziellen Mittel zu, die gemäss Entwurf weiterhin zu über 80 % an die Landwirtschaft gehen, obwohl diese gleichzeitig unbestritten der grösste Verursacher des Biodiversitätsverlustes in der Schweiz ist.

Vernetzung qualitativ aufgewerteter Lebensräume prioritär
RJSG findet den Ansatz, die Strategie an Ziel- und Leitarten auszurichten, grundsätzlich wenig zielführend. Aus Sicht der Jäger sollten die einzelnen Lebensräume als Ganzes im Mittelpunkt stehen, deren qualitative Ausgestaltung und insbesondere auch deren Vernetzung. Denn gerade für Tierarten mit jahreszeitlich unterschiedlichen Lebensräumen sind Wanderkorridore zentral. So wie neue Korridore und Vernetzungsstrukturen geschaffen werden müssen, gilt es auch bestehende Blockaden und Hindernisse auszuräumen oder zu vermeiden. Aus Sicht der St.Galler Jäger bilden Zäune solche – oft tödlichen – Blockaden, die mit wenig Aufwand, jedoch mit entsprechender Konsequenz flächendeckend ausgeräumt werden könnten.

Finanzielle Mittel zielgerichteter einsetzen
Im Weiteren stört sich die Jägerschaft daran, dass als erste Massnahme die Zustände der Biotope für rund 2 Mio. Franken erfasst werden sollen. Da die Zustände der Biotope lokal weitgehend bekannt und in den Richtplänen des Kantons bzw. in den Schutzvorordnungen der Gemeinden erfasst sind, fordern die Jäger, dass anstelle einer nochmaligen Erfassung der Biotope die freiwerdenden Mittel in finanzielle Anreize investiert werden. Damit könnten beispielsweise die Zustände der Biotope durch die Bodenbesitzer selbst verbessert und aufgewertet werden (z. B. entfernen von Drainagen, erneute Vernässung von Mooren, Auszäunung wertvoller Lebensräume etc.).

Kommunikation mehr als eine „einmalige Begleitmassnahme“
Wenn endlich mehr Wirkung in der Biodiversitätsförderung erzielt werden soll, dann muss umfassender und offensiver sensibilisiert und motiviert werden. Dies gilt mit Blick auf die direkten Zielgruppen und Subventionsempfänger wie auch auf die Gemeindeverwaltungen und die allgemeine Bevölkerung. Gerade Letztere ist bei einer so übergreifenden Problemstellung zentral, da nicht nur das Verhalten der Allgemeinheit entsprechend motiviert werden muss, sondern auch das allgemeine Bewusstsein für sachgerechtes Handeln (Gewässerabstand, Pufferstreifen, Trockenlegungen etc.).

Angesichts dieser Bewertung der Kommunikation erachtet es RJSG als absolut ungenügend, wenn dafür jährlich während maximal 5 Jahren 12'500 Franken vorgesehen sind. Ohne eine klare und sichtbare Kommunikationskampagne wird sich das Thema Biodiversität weiterhin im Hintergrund bewegen und weder die Leistungserbringer noch die für den Vollzug Verantwortlichen werden über einen gesteigerten öffentlichen Druck „motiviert“.

Grundsätzliche Nachbesserungen zwingend
Abschliessend stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die vorgelegte Strategie mit ihrem Ansatz in die richtige Richtung weist oder nicht einfach eine Absicherung bisheriger Besitzstände dokumentiert, letztlich aber ohne echten Mehrwert für die stark unter Druck stehende Biodiversität in unserem Kanton bleibt. Aus dieser Optik vermag die vorgelegte Biodiversitätsstrategie den Vorstellungen der St.Galler Jäger nicht zu genügen.