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Korea im Museum

Koreanische Objekte sind in Museen ausserhalb Koreas selten zu finden. Das HVM St.Gallen hat die seltene Gelegenheit, ausgewählte Schweizer Museums- und Privatsammlungen zur koreanischen Kunst und Kultur vorstellen zu dürfen. Mit den Sammlungen Hungerbühler und Kuster ist auch St.Gallen vertreten: «Poesie der Farben – Koreanische Kunst aus Schweizer Sammlungen» (02.09.2017 – 10.06.2018).

Korea blickt auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück, die heutige Zweiteilung in Nord- und Südkorea existiert erst seit 1948. Über die Jahrhunderte entwickelte sich auf der Halbinsel zwischen China und Japan eine reiche künstlerische Tradition, die ein starkes Gefühl der nationalen Identität ausdrückt, aber auch von engen kulturellen Verbindungen zu den Nachbarn zeugt. Während der Joseon-Dynastie (1392-1910) entstanden Meisterwerke in Tusche und Farbe, die den Geschmack der damaligen gesellschaftlichen Elite Koreas (yangban) reflektierten. Im Kontrast dazu stehen die farbenprächtigen Werke der volkstümlichen Malerei (minhwa). Die Ausstellung «Poesie der Farben» zeigt Beispiele für beides. Bereichert wird sie durch Keramiken der Silla-Dynastie (668-935) und der Goryeo-Dynastie (918-1392) sowie Kalligrafien und traditionelle Textilien – und eine imposante Kriegerrüstung aus der Joseon-Periode.

Rot-Blau-Gelb – die Farben Koreas
Die Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen ist optisch an die südkoreanische Landesflagge angelehnt. Als taeguk («grosse Ewigkeit») wird die Farbkombination in ihrem Zentrum bezeichnet. In ihrer heutigen Form gibt es sie seit 1950. Tatsächlich ist sie in Nord- wie Südkorea schon auf alten Tempelwänden zu finden.

Die Decke des Ausstellungssaales ist mit leuchtend gelben Lampions geschmückt. Das bunte Lichtspektakel erinnert an das jährliche Laternenfest in Seoul. Mit seiner Farbenpracht vermittelt es die Lebensfreude der koreanischen Kunst und Kultur.

Sammlungen aus der ganzen Schweiz
Ein Teil der gezeigten Objekte stammt aus der museumseigenen Sammlung. Dazu kommen Leihgaben aus Museumssammlungen (Bernisches Historisches Museum, Museum der Kulturen Basel, Museum Rietberg Zürich) sowie aus den Privatsammlungen Thomsen/Zürich, Hungerbühler/St.Gallen und Kuster/St.Gallen. Der St.Galler Unternehmer Max Hungerbühler (1924-2003) war ein leidenschaftlicher Sammler asiatischer und moderner Kunst und mit der Koreanerin Yong-Suc Chyun verheiratet. Setsuko Kuster ist die Tochter des koreanischen Kalligrafen und Siegelschneiders Kurino Setsuzan (1908-1970).

Ein wichtiger Partner war bei diesem Ausstellungsprojekt auch die Abteilung für Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Zürich. Sie beteiligte sich bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Objekte.

Kimchi und Kalligrafie
Vertiefende Begegnungen mit den Themen der Ausstellung bietet wie üblich das Rahmenprogramm (Details auf www.hvmsg.ch). Hingewiesen sei hier nur auf zwei Workshops: Interessierte können Kimchi kochen, das Nationalgericht Koreas, und sich in koreanischer Kalligrafie versuchen.

Lange Zeit unbeachtet
Warum aber sind koreanische Objekte in Museen ausserhalb Koreas selten zu finden? Die Kunst und Kultur der fern gelegenen Halbinsel zwischen China und Japan war in Europa lange Zeit unbeachtet. Im späten 19. Jahrhundert, als sich Korea dem Westen öffnete, war in Europa das Interesse an japanischer und chinesischer Kunst wesentlich grösser. Im Vergleich zu China und Japan hatte Korea nach der Öffnung im Jahre 1876 bis zur japanischen Kolonialisierung 1910 nur wenige Jahre Zeit, sich wirtschaftlich und kulturell international zu entwickeln. Es versäumte zudem die Teilnahme an den Weltausstellungen, die in diesen Jahren in Paris, London und Wien veranstaltet wurden. So wurde Korea erst sehr spät als eine Nation mit alten Traditionen und tiefer ästhetischer Sensibilität wahrgenommen. Später, im 20. Jahrhundert, wurde es im Westen auf Grund der politischen Entwicklungen vor allem als geteiltes Land gesehen.