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Von Raiffeisen zu Raffeisen?

Der Fall des früheren Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz habe auch mit mangelnder Aufsicht durch den Verwaltungsrat zu tun, schreibt die NZZ. Ausgerechnet dieses Gremium hat im vergangenen Jahr deutlich mehr verdient - über 40 Prozent mehr Lohn haben sich die Herrschaften 2017 zugeschanzt.

Der Verwaltungsrat der Raiffeisen Schweiz (aktuell: Pascal Gantenbein, Philippe Moeschinger, Rita Fuhrer, Angelo Jelmini, Daniel Lüscher, Olivier Roussy, Urs Schneider, Franco Taisch, Edgar Wohlhauser, Werner Zollinger und Laurence de la Serna) hat im Geschäftsjahr 2017 eine Gesamtvergütung von 2,41 Mio. Franken bezogen. Das sind 43,5% mehr als im Vorjahr, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

Die systemrelevante Bank kämpft um ihre Glaubwürdigkeit. Als interimistischer Präsident des Verwaltungsrates versucht Pascal Gantenbein (im Bild links), Raiffeisen wieder in ruhiges Fahrwasser zu steuern. Kein einfaches Unterfangen, sass Gantenbein doch schon zu Vincenz' Zeiten im VR.

Auch die irritierende Lohnerhöhung dürfte den 1,8 Millionen Raiffeisen-Genossenschaftlern schwer zu vermitteln sein. Gantenbein versucht es in «ECO» von SRF dennoch: «Die Bank war in den letzten Jahren sehr erfolgreich unterwegs. Wir sind seit letztem Jahr auch zwei Verwaltungsräte mehr», sagt er in der Sendung vom 23. April. Auch der Aufwand sei gestiegen. Die Honorare seien zudem vergleichbar mit der Branche.

Die höchste Einzelgesamtvergütung entfiel auf den inzwischen zurückgetretenen Verwaltungsratspräsidenten Johannes Rüegg-Stürm (rechts im Bild) mit 548'300 Franken, weiss die NZZ. Damit stieg das Gehalt des gefallenen Präsidenten 2017 um 15%; 2016 hatte er noch eine Vergütung von 478'800 Franken erhalten.

Das sei gerade deshalb erstaunlich, weil der 2008 angetretene Rüegg-Stürm dem offenbar ausser Kontrolle agierenden Geschäftsführer Pierin Vincenz als Präsident des Verwaltungsrats hätte Schranken setzen müssen, schreibt die NZZ. Aber vielleicht hat er sich auch nur die offenbar herrschende Selbstbedienungsmentalität zu eigen gemacht.

Neun der elf Verwaltungsräte der Raiffeisenbank treten bis 2020 ab. Kleben bleiben nur Pascal Gantenbein und Olivier Roussy.